Beckmann, Hannes (v, comp, Id), * 24.8.1950 Bielefeld. Mit einer Souveränität, die an Svend Asmussen erinnert, verfügt Hannes Beckmann über alle Facetten der modernen Jazzgeige und setzt in seinem Beitrag gleichwertige Akzente auf beide Teilbegriffe: auf Jazz mit persönlichem Sound und improvisatorischer Phantasie, auf das Geigerische mit einer beeindruckenden Virtuosität. Durch Öffnung für neue Einflüsse, insbesondere aus der brasilianischen und afrokubanischen, aber auch der südosteuropäischen und der Ernsten Musik, hat er die von Stephane Grappelli und der Hot Club Nachfolge geprägte Stilistik entscheidend bereichert und zu einer eigenständigen Sprache gefunden, in der die rhythmische Intensität der amerikanischen Schule so präsent ist wie die fein ziselierte Eleganz der Sinti Tradition oder der lange rhapsodische Atem à la Ray Nance.
Hannes Beckmann erhielt seine erste Geige mit sechs Jahren vom Urgroßvater und hatte ersten Unterricht im durchgängig musikalisch geprägten Familienkreis, später an der Musikschule. Er studierte am Konservatorium Düsseldorf Geige, danach von 1970 bis 1974 in München Komposition und Jura. Erste Auftritte hatte er währenddessen in Swingbands der Musikerfamilien Reinhardt und Weiss sowie mit Peter Michael Hamels Gruppe Between. Ein Engagement im Orchester des Balletts Brasiliana brachte ihn in Kontakt mit den Perkussionisten Charles Campbell und Pery und Edir dos Santos, mit denen er 1972 seine Gruppe Sinto gründete, die bis 1979 erfolgreich in Europa und Japan gastierte, mit den Alben „Right On Brother“ (1972) und „Sonho Negro“ (1978) aufhorchen ließ und 1981, nun umformiert und mit Wolfgang Lackerschmidt statt bis dahin Johannes Faber in der Frontline, bis 1985 ihre Erfolgsserie fortsetzte, dokumentiert auch auf den Alben „Tango des Friedens“ (1981) und „lntercontinental Reflections“ (1984). Dazwischen hatte Beckmann mit Pery dos Santos im Duo („A Gipsy Meets Brazil“ 1981), aber auch u. a. mit Baden Powell und Attila Zoller gearbeitet und an der MPS Produktion „Gipsy Violin Surnmit“ (1979) mitgewirkt. Seit 1985 arbeitet er mit einem eigenen Quartett, dem Edgar Wilson (p), Rudi Schröder (b) und Imre Köszegi bzw. Alvin Queen (dr) angehören (CD „The Violin Man“, 1995) und gelegentlich, so beim Jazzfest München 1993, mit Gastsolisten wie Bireli Lagre.ne. Hannes Beckmann, der bei großen Festivals wie Frankfurt, Aixen, Provence oder Belgrad und in Konzertsälen wie jenen von Odessa und Sapporo spielte, arbeitete daneben auch in einem Violin Surnmit mit Zipflo Reinhardt und Zipflo Weinrich sowie mit Musikern ~ie Philip Catherine, Ray Mantilla, Frank St. Peter, Roman Schwaller, Bobby Stern, Jimmy Woode, Larry Porter, Dom Um Romao oder Dusko Goykovich 4 Balkan Connection). In jüngerer Zeit hat er seine kompositorischen Aktivitäten verstärkt und u.a. für die 100 Jahr Feier der Münchner Philharmoniker seine „Europäische Suite“ geschrieben. Beckmann organisiert zudem das 1990 von ihm mitbegründete Jazzfest München und die 1992 eingeführte Jazznacht im Prinzregenten Theater. Im September 1995 wurde er als Gastprofessor an die jazzakadernie Belgrad berufen. Nun mit Michael Blam am Bass, präseiitierte das Beckmann Quartett 1997 „Violin Tales“. 1999 ließ er in Septett Besetzung eine CD Aufnahme seines ausgedehnten Werkes „Die Blaue Krone Kreuzwegstationen“ folgen, 2001 eine CD Version von „Sonho Negro“.